Weniger Uni – jetzt habe ich den Italienischkurs übrigens auch nicht gekriegt, welch Freude – bedeutet mehr Zeit für Nachhilfe bedeutet mehr Geld
Heute war ich zum ersten Mal bei einem neuen Nachhilfemädchen, 7. Klasse. Ich stellte mal wieder fest, wie schön es ist, wenn die Kinder mich noch nicht so gut kennen und deswegen noch zu schüchtern sind, um irgendwas böses zu tun – als ich vorher bei einem meiner normalen Kinder war, das mit meinem neuen Mädchen befreundet ist, wurde mir bereits mitgeteilt, dass mein neues Mädchen schon ganz aufgeregt sei, ihr Zimmer putzen und den Meerschweinchenkäfig ausmisten würde… Was sie wohl dachte, was ich im Käfig wollen würde?
Ich komme also bei meinem neuen Kind an. Vor der Tür läuft mir eine junge Frau – die Schwester, wie sich herausstellt - über den Weg, die mich begeistert mit „Ach, Sie sind doch bestimmt die Nachhilfe!“ begrüßt – ich scheine eine intelligente Aura zu haben
Als ich die Treppe hochkomme, geht bereits die Wohnungstür auf, die Mutter steht in der Tür, sieht mich: „Ach, Sie wollen bestimmt zu uns!“ Will ich wohl…
Ich also rein. Dann geht’s los: Mutter bedankt sich schon bevor ich was getan habe dafür, dass ich da bin. Bietet mir was zu trinken an. Nein, ich möchte nichts. Fragt, ob’s okay ist, wenn sie mal eben für eine halbe Stunde einkaufen geht. Klar, ich wollte ja zur Tochter. Ob ich 60- oder 45-minütige Stunden machen würde… Schließlich bugsiert mich mein Mädchen nach vielen „Mama, ist gut jetzt!“s in ihr Zimmer.
Wir sitzen kaum, da kommt ihre Mutter ins Zimmer: „Möchten Sie etwas essen? Haben Sie schon zu Mittag gegessen?“ – „Ja, habe ich schon, danke.“ – „Sind Sie sicher?“ – „Ja, ganz sicher, ich hab’s sogar selber gekocht!“
Wir fangen also mit Mathe an, da ist noch nicht viel zu machen. Nach zwanzig Minuten klopft es an der Tür, ihre Mutter kommt rein. „Hier noch alles okay?“ – „Ja, alles bestens.“ – „Möchten Sie jetzt was trinken? Kaffe? Tee?“ – „Ein Wasser vielleicht.“ – „Wasser? Ups, das ist schlecht…“ – „Dann was anderes.“ – „Wir haben Zitronensprudel und…“ – „Zitronensprudel ist toll!“ Die Mutter geht also wieder, kommt nach ein paar Sekunden mit zwei Gläsern, Zitronen- und Orangensprudel wieder. Gießt uns beiden ein. Mädchen macht immer nur „Mama! Mama!“ Mama geht schließlich wieder. Kommt aber mit eine Platte Kekse nach zwei Minuten wieder.
Wir switchen zu Englisch und werden bis kurz vor Schluss in Ruhe gelassen. Dann geht die Tür wieder auf: „Ich bin’s nur. Hier noch immer alles okay?“ – „Ja, danke.“ – „Jetzt vielleicht was anderes trinken? Einen Tee? Kaffee?“ – „Nein danke, mir geht’s gut.“ – „Ja, Sie sehen ja auch gut aus! Und du Schatz?“ – „Nein, ich bin wunschlos glücklich!“
Die letzten Minuten kriegen wir auch nur gut um, dann machen wir Schluss für heute. Ich komme mit ihr aus ihrem Zimmer, sofort springt ihre Mutter wieder herbei. Will wissen, wie es war, bedankt sich noch drei Mal, ich verabschiede mich bis nächste Woche. „Ich mache euch dann was leckeres zu essen. Also: Sie brauchen kein Mittagessen machen nächste Woche!“ Dankeschön, aber ich mache so oder so essen zu Hause
Hach. Ein bisschen übermotivert, aber nett. Und das Mädchen sowieso. Damit kann ich wohl leben