Reisebericht gefällig? September 24, 2007
Wir sind wieder daaaa! Und da wir wieder da sind, ist es doch gleich mal Zeit für einen kleinen – nun ja in Wirklichkeit eher extrem großen – Reisebericht. Wenn sich jemand durchkämpfen mag…
Sonntag
Um 18.15 Uhr Ortszeit landet unser easyjet-Flieger in Edinburgh und wir stellen unsere Uhren eine Stunde zurück. Als Allerletzte komme ich durch die Passkontrolle, wir bekommen unser Gepäck problemlos wieder und tauschen das erste Geld – aus ganz vielen Euro werden plötzlich ganz schön wenige Pfund… Mit dem Airlink-Bus geht’s vom Flughafen zum Zentrum, wo wir feststellen, dass wir die Busfahrpläne nicht ganz durchblicken – aber da es nicht weit ist, laufen wir eben die paar Meter zum Hotel.
Das Hotel ist top – Altbau mit hohen Decken (würde Nina heute noch jemand ein Altbau-Haus neu bauen?), Badewanne, Wasserkocher und einem großartigen Fön, mit dem ich direkt eine innige Beziehung eingehe. Nachdem wir die An- und Ausschalter an den Steckdosen gefunden haben, kriegen wir auch den Fernseher und den DVD-Player ans Laufen und sind fürs Erste erst mal glücklich.
Erste Feststellungen: Die Schotten sind sehr darauf bedacht, Kassenbons loszuwerden; das goldene M am St Andrew’s Square besitzt keine Tabletts; es ist ganz schön kalt in Schottland; die Kälte hält die Schotten nicht davon ab, halbnackig und in Flip Flops durch die Gegend zu laufen; und sie staksen gerne auf Schuhen so hoch wie Hochhäuser durch die Gegend…
Montag
Wir möchten nach Edinburgh, weil das Schottland ist, und man da trotzdem nicht wandern muss, oder?! Nun ja, der Plan hielt ungefähr einen halben Tag…
Morgens nach dem Frühstück – jeden Morgen eine Tasse schwarzen Kaffee mit ein bisschen Zucker für mich, ich hänge tief in der Koffein-Falle wie mir scheint – geht’s auf in die City. Wir buchen eine Highland-Tour zu Loch Ness und beschließen dann, wandern zu gehen. Ich standesgemäß in Rock und Stiefeln – aus irgendeinem Grund trage ich sowas wohl immer, wenn mir in den Sinn kommt, über Stock und Stein kraxeln zu wollen, und stören tut mich das Outfit überraschenderweise auch nicht…
Auf dem Weg zum Arthur’s Seat kommen wir an einem kleinen Friedhof vorbei – Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert, wirklich sehr faszinierend anzusehen und zu lesen! Am Berg selbst ist es wirklich wunderschön, wir haben einen großartigen Blick über die Stadt. Wir laufen und kraxeln (am Ende ist’s wohl eine Mischung aus beidem), genießen die grandiose Aussicht und sind motivierter denn je, durch die Natur zu zockeln. Am Ende machen wir ein schnelles Picknick auf einem Felsvorsprung und beginnen dann den Abstieg – mittlerweile ist es richtig kalt da oben… Auf dem Rückweg nutzen wir zum ersten Mal Public Transport und kommen sogar wirklich da an, wo wir hinwollen!
Den Abend verbringen wir zum ersten Mal im Pub – sehr schön da, gute Musik, nette Barmenschen. Ich bekomme sofort den bestellten Alkohol, was mich doch ein bisschen traurig macht: Schließlich hängen überall Schilder, auf denen steht, dass sie Alkohol erst an mindestens 21-Jährige verkaufen. „It’s my job to ask“ steht auf dem Button des Barmädchens – mich fragt aber keiner
Dienstag
Unser Typ Mann: Rugby-Player! Nun ja – zumindest sind die Schottischen sehr schön anzusehen…
Mittags kaufen wir in einer Kurzschlusshandlung am Stadion Tickets für das Worldcup-Spiel Schottland – Rumänien in Murrayfield am Abend. Gut geschützt gegen die Kälte – Strumpfhose, Socken, Jeans, Stiefel; Top, meinen Wollpulli, einen Wollpulli von Nina, Lederjacke, schwarze Jacke plus Schal – sitzen wir um kurz nach 19 Uhr – übrigens nach einem Abstecher in den Pub zum Abendessen, bei dem ich den most delicious chocolate cake ever esse (ich weiß nicht, wie ich das Land danach wieder verlassen konnte!) und mit anderer Frisur bei nem anderen Barmann wieder Alkohol bekomme – auf unseren Plätzen im Stadion. Rugby ist ein schöner Sport: Man versteht die Grundregeln sehr schnell, und kann dementsprechend lustig mitschreien, und was auch sehr angenehm ist, sind die Trikots der Spieler. Sehr viel zuschauerinnenfreundlicher geschnitten als Fußballtrickots – die Spieler übrigens auch. Die schottische 14 – die offensichtlich keiner so wirklich leiden konnte – mochten wir von hinten sehr gerne
42:0 haben die Bravehearts dank unserer Unterstützung dann übrigens gewonnen.
Nach Hause konnten wir ein ganz schönes Stück laufen, da in den Bussen nur maximal 19 Leute stehen dürfen – ich hätte gerne mal einen schottischen Busfahrer als Austausch-Busfahrer hier, der dann an einem Montagmorgen den 186er zu den Schulen fährt
Und die Wir-müssen-noch-kaufen-Liste wurde im Laufe des Tages auch immer länger…
Mittwoch
11 Pfund Eintritt pro Nase für das Castle? Wir schenken uns den Besuch, gucken es lieber von außen an und gehen danach ein bisschen bummeln und ein kleines bisschen Geld ausgeben… Die Sonne scheint, also hauen wir uns mit Starbucks-Trinken im Princes Street Garden auf eine Wiese und lesen Zeitung, bis uns das langweilt. Dann fahren wir zum Strand – superschön da! Obwohl ich ja eigentlich zu den Docks wollte („Ich mag aber auch noch die Docks sehen…“ – „Dogs? Welche Hunde?!“)…
Abends geht’s zum allabendlichen Cocktail in den Pub – dritter Barmann, dritte Frisur: Zöpfe!, keine Probleme – und Nina schwankt danach nach Hause, um mit spitzer Schere Puppen zu basteln. Ähm ja. Ich mache mir derweil Gedanken, ob das Anti-Alkohol-Mädchen gerade in eine Abhängigkeit driftet
Donnerstag
Aye, die großartige Highland-Tour. Pünktlich um 8 Uhr stehen wir am Abfahrtspunkt. Das erste, was wir sehen, sind 10cm-Absätze an der Frau links von uns, gefolgt von Dreiviertel-Leggings und Ballerinas an dem Mädchen rechts. Nun gut. Hinter uns stehen zwei Deutsche, die uns auf Anhieb unsympathisch sind – und die natürlich im 16-Mann-Kleinbus neben uns sitzen. Unser Guide Jacky ist niedlich, nett und lustig – auch wenn ich eigentlich den Kerl aus dem anderen Bus haben wollte, haben wir da wirklich Glück gehabt! Sie kennt viele interessante Geschichten zu William Wallace (mal wieder Braveheart gucken!), den Clans, Culloden und Whisky, die dafür sorgen, dass die Fahrt nicht langweilig wird.
Auf geh’s ein Stück durch Edinburgh, auf dem wir einiges über die Stadt erfahren, dann vorbei an Feldern, dem Flughafen und „Oiiii, Schafe mit schwarzen Köpfen!“/ „Daaaa, eine Kuh!“ in Richtung Highlands. Beim ersten Stop gegen 10 Uhr kann Nina direkt ihr Bedürfnis nach „Hübbels mit Fell und Hörnern“ (= Highland Cattle) befriedigen, denn dort, wo wir halten, wohnt auch Hamish, ein 8-jähriger Highland Bulle. Danach geht es vorbei an der most beautiful landscape, mit Lochs und Bergen, bis zu Glencoe, wo wir nochmal einen kurzen Stop einlegen. Als wir schließlich in Fort Augustus bei Loch Ness ankommen, regnet strömend. Netterweise hört es aber pünktlich zu unserer Bootstour über das Loch auf zu regnen, so dass wir rund eine Millionen Fotos an Deck der Royal Scott machen und uns den Wind um die Nase pusten lassen konnten – es war so toll
Nessie finden wir trotzdem nicht, auch wenn kurz der Verdacht vorherrscht („Was ist denn das da hinter dir auf dem Foto?!“ – „Meine Kapuze?“ – „Ach so, ich dachte schon, wir hätten es jetzt…“).
Auf dem Rückweg gibt es einen Stop mit Whisky-Probe – zwei wirklich leckere Whisky-Liköre sind dabei. Dank denen können wir dann auch den Pub-Besuch ausnahmsweise mal ausfallen lassen
Freitag
Der Freitag steht im Zeichen des Shoppens. Erst stehen wir kürzer davor denn je, uns noch in Scotland vom Frisör einen Bob schneiden zu lassen, vertagen es dann aber doch noch mal. Dann landen wir im Laden eines Kilt-Makers – und kommen mit zwei Kilts wieder raus. Dank der niedlichen Lady blieb uns auch fast nichts anderes übrig, als die Dinger zu kaufen, und sie sind auch einfach grand! Auf jeden Fall war sie sehr hilfreich, brachte verschiedene Farben, zupfte an uns rum, maß mich aus und lief dann auch nochmal für mich in den Keller. Und: Ich habe eine „lovely figure for a kilt!“ – nicht, dass ich mich vorher von dem Ding hätte trennen können, aber danach ging gar nix mehr
Foto jetzt hier:
Außerdem haben wir endlich die sündhaft teueren Taschen gekauft, die wir bereits am zweiten Tag ausgemacht hatten… Und Ohrringe, welch Wunder
Weitere Erkenntnisse: Ich liebe „Identity“ auf BBC2, „XFM Scotland“ ist morgens zwischen 7 und 9 Uhr zumindest ein schöner Radiosender (das ist das erste Mal, dass ich „Enter Sandman“ im Radio gehört habe!), der Junge an der Kinokasse lässt sich leicht verarschen und die Uni von Edinburgh ist auch nicht schöner als unsere. Und ich habe „44 Scotland Street“ von Alexander McCall Smith angefangen, danke für die Empfehlung
Samstag
Wir gucken uns die Vintage-Stores am grassmarket an, wirklich schöne Sachen dabei.
Highlight ist dann aber der Abend, an dem Nina darauf besteht, einen Pitcher zu bekommen. Die Barfrau, bei der ich bestelle, guckt etwas entgeistert, als ich auf die Frage, wie viele Gläser ich dazu möchte, mit einem selbstverständlichen „Ja, eins“ antworte, und auch Nina findet den Pitcher dann doch etwas groß glaube ich. Trotzdem trinkt sie 3/4 selbst (und wenn ich nicht das eine Viertel einfach genommen hätte, hätte sie auch 4/4 geschafft, wir hatten’s ja bezahlt und so
) – natürlich in der Zeit, in der sie normalerweise einen Cocktail getrunken hätte… Dann wanken wir nach Hause und ich bin froh, dass Nina ihre Bastelambitionen aufgegeben hat…
Sonntag
Jetzt beginne ich gerade, mich voll einzugewöhnen - ich fand es ja SO warm gestern! – und das Rugbyspiel gegen Neuseeland (Nouvelle Zélande übrigens für die Franzosen unter uns) steht auf dem Programm, da müssen wir wieder fliegen…
Sehen wir aus wie Terroristen eigentlich? Nachdem die Frau am Flughafen Nina mit offensichtlich Tasche und Fotorucksack um anguckt und sagt „Only one bag per person?“ und Nina unschuldig „Ja“ sagt und sie damit zufrieden ist, lassen uns die ersten Sicherheitsmenschen natürlich mit drei Taschen nicht durch. Wir quetschen also die eine Tasche in unser restliches Handgepäck. Als nächstes enden wir an der Sicherheitskontrolle, ich ziehe friedlich meinen Striptease durch – wieso habe ich grundsätzlich einen Gürtel beim Fliegen an? -, denke, ich bin fertig, da sagt der Mann, ich soll meine Schuhe ausziehen. Nun gut, denke ich, drehe mich um, und sehe Nina ebenfalls auf Socken neben mir stehen. Ich drehe mich zur anderen Seite und stelle fest, dass alle anderen noch Schuhe anhaben. Zwei kleine Mädchen sind gefährlicher als große dicke Männer also
Immerhin piept meine Hose – die in Dortmund übrigens gepiept hat – überraschenderweise nicht. Da kann doch auch irgendwas nicht stimmen…
Schöne Unterhaltung dann auch im Laden am Flugzeug. Ich lege meine Sachen hin, Frau scannt alles ein. Dann: „Would you like a bike?“ – „Sorry?“ – „Would you like a bike?“ – „Sorry?!?“ – „Would you like a bike?“ – „A BIKE?!“ – „Yes.“ – „Like cycle?!“ Und dann habe ich verstanden, dass sie mir eine Tüte andrehen wollte. Nun ja
Und eine großartige neue Schlafmaske habe ich bekommen, wirklich toppstens – gutes Ende für einen schööönen Urlaub mit vielen schönen Kilt-Männern, auch wenn ich Jamie Fraser leider nicht finden konnte
Da mag ich wieder hin, und Edinburgh hat Kopenhagen von der Auswanderer-Liste geschubst
Wir sind dann mal weg. September 16, 2007
So, ich habe gerade die letzten Sachen in meinen Koffer geworfen, hoffe jetzt, dass ich nichts vergessen habe und warte darauf, dass es gleich los geht.
In einer halben Stunde fahren wir nach Dortmund zum Flughafen, um 17.30 Uhr geht unser Flug. Wir sind dann also jetzt offiziell weg
Bis in einer Woche!
Wochenrückblick. September 14, 2007
Heute mal chronologisch oder so ähnlich.
„Rush Hour 3″ mochte ich überraschend gerne, sehr lustiger Film. Und ich stelle mal wieder fest, dass ich diese spaßigen Kung-Fu-Kampfszenen mag.
Ich bin ja doch sehr unkompliziert, selbst in eher sehr komplizierten Situationen. Dass ich nicht wirklich unschuldig an den komplizierten Situationen bin, ändert an der Grunderkenntnis natürlich nichts.
Kaffee macht mich irgendwie auch nicht wach. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Leuten geht, aber wenn ich zu wenig geschlafen habe, bin ich einfach müde, und Kaffee kann daran auch nichts ändern. Trotzdem habe ich mich jetzt doch überraschend schnell an das Zeug gewöhnt.
Raclette-Essen am Samstag war großartig: Der Tisch bog sich quasi unter dem Gewicht der beiden Raclette-Geräte und der ganzen Zutaten. Alle haben tüchtig reingehauen – sehr spaßig auch, wenn die Hälfte der Anwesenden während des Mampfens von Abnehmplänen erzählt. Bis zum Sommer ist ja noch Zeit, gell
Pläne für die nähere Zukunft: Fondue und Käse-Fondue.
Montag haben wir die letzte Stunde Hospitation in Düsseldorf hinter uns gebracht. Sehr unspektakulär mal wieder, aber überraschenderweise mal ohne Diktat. Danach hat er anstandslos unsere Scheine und den Steuer-Bescheid angenommen, Mittwoch haben wir sie unterschrieben wiederbekommen. Und Hausarbeit darf ich auch schreiben: „Der antike Roman als Unterrichtsgegenstand“. Oder so ähnlich.
Der großartige Kino-Dienstag im UCI Bochum brachte uns „Lizenz zum Heiraten“ mit dem großartigen Robin Williams. Den Film mochten wir, und gelernt haben wir, niemals M&Ms im Kino zu kaufen, ohne vorher nach dem Preis zu fragen…
Janas Abschieds-Party war dann doch wirklich lustig. Alle Beteiligten waren äußerst friedlich, der Pizza-Mann erkennt mich auch ein halbes Jahr nach dem verheerenden letzten Mal in anderer Leuts Häusern mit einem fröhlichen „Ach, du bist das!“ wieder, und der Papst sieht der heiligen Jungfrau Maria sehr ähnlich, zumindest, wenn Nicole versucht, ihn pantomimisch darzustellen.
Wieso sind Jana und ich eigentlich die Geschenke-Feen? Gestern brachte die Erkenntnis, dass nicht jeder Hornbach überhaupt irgendwann mal das hatte, was wir wollten; dass nicht in jedem Hornbach Menschen ans Telefon gehen, wenn man da anruft; dass nicht in jedem Hornbach die Menschen dazu in der Lage sind, korrekt in die Deko-Abteilung durchzustellen; dass bei Hornbach arbeitende Frauen sich beim Basteln von Bilderrahmen extrem eingeschränkt fühlen, wenn sie für eine Stunde einen Karton in den riesigen Bereich hinter sich stellen sollen und dass ein Ka zwar größer als ein Twingo, aber trotzdem noch ganz schön klein. So gesehen wirklich gut, dass sich kein anderer aufgedrängt hat, unsere Odyssee zu begleiten, wir hätten jemanden in Herne opfern müssen…
Das teuerste an allen Urlauben ist wahrscheinlich die Orgie, die wir vorher immer bei dm feiern – aus dem „Wir können Sachen teilen“-Vorsatz resultieren dann zwei identische Kajals in unterschiedlichen Farben, und auch eine kleine Flasche Nagellackentferner kann man in Schottland bestimmt mal gut gebrauchen…
Schockierend heute, dass ich es zwei Mal geschafft habe zu vergessen Haarspray zu kaufen, dass ich Leute aus unserem Englisch-LK auch nach drei Jahren Nichtgesehenhaben von hinten erkenne – aber auch gut, das verlängerte die Zeit, die ich hatte, um hinter dem nächsten Regal in Deckung zu gehen -, dass Media Markt mich ziemlich verarscht hat, und dass ein 50×70-Bild aus unerfindlichen Gründen zu lang und zu breit für einen 50×70-Rahmen sein kann. Da wird Nicole morgen nochmal kräftig Haare, Stirn und Pizza lassen müssen…
Und: Noch zwei Mal schlafen, dann gehts looos
September 14, 2007
… doch ich glaube an uns beide
und ich glaub an unseren Weg.
Und wenn dich die Hölle so sehr reizt
und du meinst, du musst sie sehen,
werde ich an deiner Seite sein,
wenn du nicht allein gehen willst.
(Die Toten Hosen: Zur Hölle Und Zurück)
Neben dem kompletten Unsterblich-Album wiedergefunden und für gut befunden.
„Nikola, links! Jetzt mach doch mal links, Nikola!“ September 6, 2007
Auf geht’s mit dem Kanu die Ruhr von Werden nach Kettwig hinunter. Der Regen hört extra für uns auf, die Sonne kommt raus und pünktlich (oder vielleicht eine Viertelstunde zu spät, das wurde nie ganz geklärt) um 15 Uhr stehen wir in Werden: 15 Mädchen, eine Sportlehrerin und eine Anke vom Veranstalter.
Meine Schwester teilt mir vorher fröhlich mit, dass sie auf keinen Fall vorne sitzen wird und Miene in die Mitte möchte, für mich damit logischerweise nur noch der Platz ganz vorne bleibt. Mir ist das glücklicherweise völlig egal… Bei der Einführung bekommen wir dann gesagt, dass die, die hinten sitzt, fürs Lenken verantwortlich ist – gut, dass ich ganz vorne sitze.
Wir schmeißen uns zu dritt auf ein Vierer-Kanu, tragen es zum Wasser, setzen uns rein. Und fahren los. Oder: Die anderen fahren los. Wir fahren im Kreis.
Die ersten zehn Minuten lenkt Nikola uns immer wieder im Kreis herum, ich schreie verschiedene Versionen von „Nikola, links! Jetzt mach doch mal links, Nikola! Ja, so, gut, reicht. Haaaalt! Jetzt rechts!“, sie antwortet mit „Ich mach doch schon!“ und Miene sitzt in der Mitte, lacht und sagt Sachen wie „Bohr, ich WUSSTE, dass wir das Loser-Boot sein würden! Als wir da oben standen, wusste ich das! Das kann doch echt nicht sein!“ Anke ruft helfend „Kommt jetzt mal her!“ – wenn das Boot tun würde, was wir wollen, dann hätten wir kein Problem, oder?!
Dann pendelt sich das ganze aber ein, wir sind zwischenzeitlich sogar vor allen anderen. Trotzdem durchaus noch Zick-Zack-Kurs immer wieder. Wir rammen vier Bojen, landen drei Mal im Gebüsch (beim ersten Mal lehnen sich alle zur Seite und kentern fast, beim zweiten Mal lassen Miene und ich uns nach hinten fallen, beim dritten mal ducken wir uns nach vorne – sehr kreativ alles) und kentern ein Mal beinahe beim Zusammenstoß mit einem anderen Boot (was nicht ausschließlich unsere Schuld war!). Zwischendurch fallen wir beinahe aus dem Boot vor lachen, Schwester schmollt, Miene paddelt nicht und die letzte halbe Stunde steht im Zeichen von „Ich hab jetzt aber ECHT kein Bock mehr!“ und “Bohr, ich hab ne Blase am Daumen!“.
Auf den letzten hundert Metern packt uns noch einmal die Motivation und wir geben nochmal alles – mit Erfolg: Wir kommen nicht als letzte an. Mehr wollten wir ja gar nicht
Übrigens: Heute ist der Tag, an dem eine gewisse Schulleiterin es zum ersten Mal geschafft hat, eine E-Mail zu schreiben, die völlig uneigenützig und nur nett war. Von Anfang bis Ende. Ich dachte echt, ich lese nicht richtig.
Manchmal bin ich mir ja doch sicher, dass ich das Richtige tue. September 5, 2007
Und heute ist so ein Tag.
Erst kommt unser guter Dozentenmann mit vier neuen Referendaren an, die unseren Unterricht auch noch angucken sollen. Es ist ja nicht so, als würde der Raum mit 32 Schülern, 14 Praktikanten, einer Referendarin und ihm selbst nicht ohnehin schon aus allen Nähten passen – nein, vier Leute mehr oder weniger sind dann ja auch egal. Dann spricht er von einer „Notsituation“, die wir haben – entschuldigung, ich hacke auch kein Loch in mein Boot und wundere mich dann, wenn es sinkt…
Meine Laune ist also nicht unbedingt die beste, als ich den Unterricht beginne. Aber überraschenderweise ist meine Aufregung weg, sobald ich „Guten Morgen“ sage, ich blende aus, was vorher war, und sehe weder Referendare noch Praktikanten noch Dozenten in den letzten Reihen sitzen. Spaß. Alles läuft gut, bis Alice anfängt, komische Fragen zu stellen. Ich winde mich raus – sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit in Reinkultur -, bin aber gleichzeitig sicher, dass mir der Mann daraus einen Strick drehen wird.
Tut er aber nicht. Ich war bravourös in dieser Situation, sagt er. Und meinen ganzen Part über stabil, wenn auch manchmal etwas kurz angebunden und fast schnippisch, aber das würde ja eventuell zu meiner Persönlichkeit gehören (Nun ja. Kurz angebunden? Nein. Schnippisch? Manchmal gerne
). „Bewahren sie sich diese Offenheit!“ Grandios, wie ich sowas aus Versehen und ohne Absicht mache. Lindas Abschluss war auch toll. Natürlich hat er auch ein bisschen was an der Planung – die er abgesegnet hat – zu meckern. Aber nicht viel. Und was es war, habe ich jetzt schon vergessen
Wir sind einfach großartig.
Und am Schluss sagt er, dass er uns dankbar ist, dass wir als drei Frauen diesen Unterricht gehalten haben, in dem der Geschlechtsverkehr eines Esels mit einer Frau vorkam. Er hätte sich das nicht getraut. Na danke, dass er uns das erst jetzt sagt.
Aber: Dann sind wir quasi besser als er, oder?!
Maccaroni. September 4, 2007
Kristina kocht Nudeln mit Blognese-Soße. Und weil es jedes Mal Streit um die Nudeln gibt – Spaghetti vs. Fusilli – entscheidet sie sich dafür, das ganze mal mit Maccaroni zu machen. Die sehen doch so schön aus. So passiert es dann auch – Essen ist fertig; Kristina, Schwester und Mutter freuen sich auf ein leckeres Mittagessen.
Problem eins: Die Nudeln weigern sich irgendwie hartnäckig, wirklich aus dem Topf zu kommen, weil sie immer vom Nudelheber springen. Aber mit ein bisschen Gewalt geht alles.
Problem zwei: Die Nudeln verteilen sich etwas ungünstig auf dem Teller, sprich: Sie passen nicht wirklich gut drauf. Aber auch damit können wir leben.
Problem drei: Wie isst man das?
Mutter versucht, die Nudeln wie Spaghetti zu drehen, was von vornherein zum Scheitern verurteilt ist – die Maccaroni wehren sich standhaft und stehen in alle Richtungen ab. Kristina und Schwester wollen die Maccaroni auch essen wie Spaghetti – also einfach reinsaugen. Klappt aber nicht, die Luft rutscht einfach durch das Mittelloch wie durch einen Strohhalm.
Die Nudeln springen vom Teller, Mutter saut sich das T-Shirt ein und schneidet die Nudeln schließlich einfach durch; Schwester macht die merkwürdigsten Geräusche beim Essen und benutzt eine Nudel dann in der Tat zum Trinken ihres Apfelsafts, zwischendurch gibt es Pläne für eine Magenspiegelung mithilfe einer Maccaroni…
Auch Vater hatte übrigens später Spaß mit den Maccaroni: „Daddy, wie hat dir das Essen geschmeckt?“ – „Das Essen hat gut geschmeckt! Aber die Nudeln! Erst habe ich versucht, die mit der Gabel zu essen, dann habe ich einen Löffel geholt, drehen ließen sie sich nicht, dann habe ich sie klein geschnitten… Wenn ich am Verhungern gewesen wäre, hätte ich das nicht mehr geschafft! Ich hätte TOT sein können!“
Großer Spaß – was die Nudelwahl nicht alles ausmachen kann. Damit kommen wir auch zu Problem vier: Wir haben eine dritte Nudelsorte für die Bolognese-Soße gefunden, an der sich die Geister scheiden…
Update. September 3, 2007
Es ist mal wieder Zeit für einen neuen Blog-Eintrag, wie ich finde. Also kommen jetzt wie immer völlig chaotisch meine Gedanken zur letzten Woche…
Baby-Aufregung: Silas ist da – leichter als erwartet und doch das größte Baby der Station. Sehr niedlich und sehr ruhig ist er, und lässt sich bereitwillig von Arm zu Arm weitergeben. Ein Tipp an alle Privatpatientinnen: Bringt jegliche Kinder im Krankenhaus in Ratingen zur Welt! Einzelzimmer mit Kühlschrank, Fernseher und Stereoanlage – da kann so manches Hotel nicht mithalten
Das Mädchengymnasium ist großartig – wer daran zweifelte oder es zumindest immer mal wieder vergisst, dem blieb spätestens am Samstag nichts anderes mehr übrig, als das zu glauben. Neben der „normalen“ Selbstbeweihräucherung stimmten auch der Oberbürgermeister und der Schuldezernent in den Lobgesang mit ein. Insgesamt aber eine sehr schöne Feier mit einigen sehr netten Menschen. Und: Holt die Männer mit den weißen Jacken, wenn ich irgendwann eine Stiftung als „Liebeserklärung an meine beiden Helden“ (nach „Helden“ müssten dann noch die Namen von zwei Lehrern kommen) gründen möchte.
Es ist doch relativ einfach, Nina betrunken zu machen, wenn man es denn richtig drauf anlegt. Begeisternderweise wollte sie dann erst eine leuchtende Quietscheente im Auto anschnallen, hat sie dann aber vergessen, was zur Folge hatte, dass mich die Ente des nachts mit Leuchtsignalen belästigte.
Ensthafte Gespräche über Autos zwischen Sonja und mir ähneln extrem Gesprächen über die Hunde: „Du kannst dir ja dann überlegen, ob du Elvis oder Blacky nehmen möchtest!“ Einfach herrlich.
Runde 1 ist geschafft, Runde 2 folgt Mittwoch. Den ersten Teil unseres Unterrichts für die schulpraktischen Studien Geschichte haben wir heute gehalten. Und waren natürlich gut. Auch wenn der gute Mann natürlich was zu meckern hatte (und nichts dazu gesagt hat, dass wir alle hervorragendst angezogen waren!) – die ablaufende Parkuhr erlöste uns dann zum Glück
Mittwoch wird auch top, und danach sind wir erlöst.
„Optimisten haben gar keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die Pessimisten erleben“ – durchaus wahr, dieser Spruch. Und außerdem können Pessimisten weniger tief fallen. Manchmal ist es doch gut, wenn man Optimismus ablegen kann
Ahoi – am Donnerstag geht es nun doch noch auch für mich dank Miene mit dem Kanu auf die Ruhr. Ich freu mich drauf.
Und: In zwei Wochen sind wir schon in Edinburgh – die Zeit rast gerade nur so dahin



